Hinweise auf erbrechtliche Fragen

Testamente

Hat der/die Verstorbene eines oder mehrere Testamente hinterlassen, sind diese unverzüglich und ungeöffnet dem Erbschaftsamt einzureichen und zwar auch dann, wenn die Testamente als ungültig erachtet werden.

Ehe- und Erbvertrag

Bestehen irgendwelche Ehe- und Erbverträge, so sollen auch diese unbedingt zur Eröffnung eingereicht werden.

Öffentliches Inventar

Das Begehren um öffentliches Inventar muss innerhalb eines Monats nach dem Hinschied bei der Teilungsbehörde gestellt werden. Diese Vorgehen ist zu empfehlen, wenn die Vermutung besteht, dass unbekannte Schulden oder Bürgschaftsverpflichtungen des/der Verstorbenen vorhanden sind. Zu beachten ist, dass jeder Erbe für alle Schulden des/der Verstorbenen haftet und zwar mit seinem ganzem Vermögen. Diese Haftung kann nur beschränkt werden durch ein öffentliches Inventar mit Schuldenruf durch Liquidation oder Ausschlagung der Erbschaft. Die Durchführung des öffentlichen Inventars gibt Aufschluss darüber, ob die Erbschaft lliquidiert oder ausgeschlagen werden soll.

Ausschlagung

Eine Ausschlagung der Erbschaft muss innert drei Monaten nach Bekanntwerden des Hinschieds dem Erbschaftsamt bekanntgegeben werden. Eine Verlängerung dieser Frist ist nur aus wichtigen Gründen möglich. Die Ausschlagung einer Erbschaft ist ratsam, wenn diese überschuldet ist. Zu beachten ist, dass sich der Ausschlagende in keiner Weise in die Angelegenheiten der Erbschaft einmischt; tut er es dennoch, kann er die Erbschaft nicht mehr ausschlagen.

Steuerrechtliche Inventarisation

Ein Inventar der Erbschaft erfolgt automatisch aufgrund des kantonalen Steuergesetzes durch das Erbschaftsamt.

Vor der Aufnahme des Inventars darf ohne Zustimmung der Inventarbehörde nicht über das vorhandene Vermögen verfügt werden. Die Inventarbehörde kann eine Siegelung (Beschlagnahme) anordnen, wenn Gefahr besteht, dass Vermögenswerte dem Inventar entzogen werden könnten oder wenn Gefahr droht, dass der Erbmasse gewisse Teile zum Nachteil von noch unbekannten Erben entzogen werden könnten.

Vermögensteilung

Die Vermögensteilung vollzieht sich grundsätzlich in zwei Schritten. War der Erblasser verheiratet, so ist nämlich zunächst das eheliche Vermögen in den Nachlass und das Vermögen des überlebenden Ehegatten aufzuteilen. Massgebend ist hier der Güterstand, unter welchem die Eheleute gelebt haben (Errungenschaftsbeteiligung, Gütergemeinschaft oder Gütertrennung; Art. 196 und folgende des Schweiz. Zivilgesetzbuches ZGB). der überlebende Ehegatte erhält entweder nach:

Ehevertrag oder nach Gesetz vorab seinen Teil aus dieser Aufteilung des ehelichen Vermögens (sogenannte güterrechtliche Auseinandersetzung).

Erst dann steht der Nachlass fest. Die Erben, darunter auch der überlebende Ehegatte, erhalten aus dem Nachlass ihre Anteile. Sofern nicht ein Testament oder ein Erbvertrag etwas anderes bestimmen, hat der überlebende Ehegatte Anspruch auf folgende Teile der Erbschaft (Art. 462 ZGB):

  • 1/2 der Erbschaft, falls Nachkommen des Verstorbenen vorhanden sind,
  • 3/4 der Erbschaft, wenn der Verstorbene keine Nachkommen hat und nur noch seine oder deren Nachkommen leben,
  • die ganze Erbschaft, wenn nur noch andere Verwandte des Verstorbenen leben.

Die gesetzliche Erbfolge und die Quoten der einzelnen Erben können durch Testament oder Erbvertrag innerhalb gewisser Grenzen abgeändert werden. Bei Unklarheiten wende man sich um Auskunft an:

- Im Kanton Baselland an Bezirksschreiberei/Notariat

- Im Kanton Basel an einen Notar

- Im Kanton Solothurn an Bezirksschreiberei/Notariat